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Hauptplatz soll sich neuen Namen machen
2003 -Projekt „toponymics“ stellt die Umbenennung des Grazer
Hauptplatzes zur Diskussion. „Hat eine Kulturhauptstadt nicht mehr als
einen ,Hauptplatz‘ verdient?“, fragt Grazer Projektinitiator Clemens
Krauss.
von Bernd Saria
Grundsätzlich hat Clemens Krauss nichts gegen
das Wort „Hauptplatz“. Soll’s der Duden haben. Es mag auch Orte geben, an
denen es angemessen ist. Für den Fall allerdings, dass man ihn um seine
Meinung zum Hauptplatz in Graz fragt – und das kann im Kulturstadtjahr
durchaus passieren –, hätte der Künstler schon den einen oder anderen
Änderungsvorschlag parat: „Hauptplatz. Was heißt das? Das ist kein Name,
sondern eine Bezeichnung. Ein ,Hauptplatz‘ kann in Mureck genauso stehen.“
Nein, ein anderer Name muss her: „Wir brauchen so etwas Klingendes wie
,Alexanderplatz‘ oder ,Time Square‘. Wir müssen eine Identifikation mit der
Stadt Graz schaffen.“
Genau dafür legt sich Krauss ordentlich ins Zeug: „toponymics“
heißt sein 2003-Projekt, mit dessen Hilfe er die Grazer zum Nachdenken
animieren will. „Ich möchte die Grazer Bevölkerung einladen zu überlegen,
ob eine Kulturhauptstadt nicht mehr als einen ,Hauptplatz‘ verdient.
,Hauptplatz‘ ist doch nichtssagend oder?“ Die Meinung der Grazer, die
Krauss sowohl handschriftlich wie auch via E-Mail einholen will (siehe
Kästen), ist ihm dabei überaus wichtig: „Ich will mit diesem Kunstprojekt
ja auch die Liebe der Bürger zu diesem Platz wecken.“
Widerstand
Dass er mit seinem Projekt bei vielen im besten Fall für
Kopfschütteln sorgt, ist Krauss durchaus bewusst: „Am Anfang habe ich es ja
fast selbst für eine mehr als abwegige Idee gehalten. Aber nach und nach
habe ich festgestellt, dass ich keineswegs nur auf Widerstand stoße,
sondern auch auf reges Interesse.“
So auch an jenem Abend vor wenigen Tagen, an dem Krauss zu einer
hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion lud. Neben dem
Hauptplatz-Architekten Markus Pernthaler und Wiltraud Resch von der
Altstadtkommission war auch Walter Hirth, Obmann der Innenstadt-Initiative,
mit dabei: „Zuerst dachte ich nur: ,So ein Blödsinn.‘ Aber beim zweiten
Nachdenken kam mir: ,Warum soll der Platz eigentlich nicht einen
klingenderen Namen bekommen?‘“ In jedem Fall würde das Projekt dabei
helfen, „dass wir uns alle mehr mit dem Hauptplatz auseinandersetzen“.
Erzherzog-Johann-Platz
Das hat auch der Historiker Karl-Albrecht Kubinzky getan: „Und ich war
überrascht, dass ich bei dieser spannenden Podiumsdiskussion der Einzige
war, der für eine Beibehaltung des Namens argumentiert hat.“
Denn
für den Fall, dass sich der Hauptplatz einen neuen Namen machen möchte,
kristallisierte sich bei allen anderen ein Favorit heraus:
Erzherzog-Johann-Platz. „Gefällt mir. Auch gegen ,Am Johann‘ hätte ich
nichts“, meint Initiator Krauss. „Aber ich will den Grazern nicht
vorgreifen.“ |
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